Netzhauttherapie via IVOM

Gezielte Medikamenteneingabe bei Erkrankungen der Netzhaut

Die Netzhaut ist eine der wichtigsten Strukturen des Auges. Sie nimmt Lichtreize auf und leitet diese als Sehinformation an das Gehirn weiter. Besonders empfindlich ist die Makula, der Bereich des schärfsten Sehens. Sie ist entscheidend für Tätigkeiten wie Lesen, Autofahren, Gesichter erkennen oder das Sehen feiner Details.

Kommt es an der Netzhaut oder an der Makula zu krankhaften Veränderungen, kann das zentrale Sehen deutlich beeinträchtigt werden.

Je nach Erkrankung können gerade Linien verzerrt erscheinen, das Bild kann verschwimmen oder in der Mitte des Gesichtsfeldes kann ein dunkler oder unscharfer Fleck entstehen.

Im Augenzentrum Holzberg können bestimmte Netzhauterkrankungen mit einer sogenannten IVOM behandelt werden. IVOM steht für intravitreale operative Medikamenteneingabe. Dabei wird ein Medikament direkt in den Glaskörper des Auges eingebracht, damit es gezielt dort wirken kann, wo die Erkrankung entsteht.

Was ist eine Netzhauterkrankung?

Unter Netzhauterkrankungen versteht man Erkrankungen, die die lichtempfindliche Schicht im Inneren des Auges betreffen. Die Netzhaut liegt an der Rückwand des Auges und ist dafür verantwortlich, Seheindrücke aufzunehmen und weiterzuleiten. Besonders wichtig ist die Makula.

Sie wird auch Stelle des schärfsten Sehens genannt. Wenn die Makula betroffen ist, kann das zentrale Sehen eingeschränkt sein. Das bedeutet: Man sieht nicht unbedingt komplett dunkel, aber genau dort, wo man scharf sehen möchte, entsteht eine Unschärfe, Verzerrung oder ein störender Fleck.

Typische Beschwerden bei Netzhauterkrankungen können sein:

  • verschwommenes Sehen
  • verzerrtes Sehen, zum Beispiel krumme Linien
  • ein dunkler oder grauer Fleck im zentralen Blickfeld
  • Schwierigkeiten beim Lesen
  • Probleme beim Erkennen von Gesichtern
  • nachlassende Sehschärfe
  • veränderte Farbwahrnehmung
  • plötzliche oder schleichende Verschlechterung des Sehens

Wichtig ist: Veränderungen der Netzhaut sollten immer augenärztlich abgeklärt werden. Je früher bestimmte Erkrankungen erkannt und behandelt werden, desto besser kann das Sehvermögen häufig stabilisiert werden.

Welche Netzhauterkrankungen können
mit IVOM behandelt werden?

Nicht jede Netzhauterkrankung wird mit IVOM behandelt. Die IVOM kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn krankhafte Gefäßveränderungen, Flüssigkeitseinlagerungen oder Schwellungen im Bereich der Makula behandelt werden sollen.

Häufige Erkrankungen, bei denen eine IVOM infrage kommen kann, sind:

Feuchte altersabhängige Makuladegeneration

Die feuchte altersabhängige Makuladegeneration, kurz feuchte AMD, betrifft die Makula. Dabei können krankhafte Gefäße unter oder in der Netzhaut entstehen. Aus diesen Gefäßen kann Flüssigkeit oder Blut austreten. Das zentrale Sehen kann dadurch rasch schlechter werden.

Typische Hinweise können verzerrtes Sehen, ein grauer Fleck in der Mitte oder eine plötzliche Sehverschlechterung sein. Mit einer IVOM können Medikamente eingebracht werden, die krankhafte Gefäßneubildungen und Flüssigkeitseinlagerungen hemmen sollen.

Diabetisches Makulaödem

Bei Menschen mit Diabetes können die kleinen Blutgefäße der Netzhaut geschädigt werden. Wenn Flüssigkeit im Bereich der Makula austritt, spricht man von einem diabetischen Makulaödem.

Die Folge kann eine Verschlechterung der zentralen Sehschärfe sein. Patienten bemerken häufig, dass Lesen schwerer fällt oder das Sehen unscharf wird. Eine IVOM kann helfen, die Schwellung der Makula zu behandeln und das Fortschreiten der Sehverschlechterung zu bremsen.

Netzhautveränderungen nach Gefäßverschlüssen

Auch Gefäßverschlüsse der Netzhaut können zu Flüssigkeitseinlagerungen und Schwellungen im Bereich der Makula führen. Man spricht dann häufig von einem Makulaödem nach retinalem Venenverschluss.

Je nachdem, welches Gefäß betroffen ist, kann die Sehverschlechterung plötzlich auftreten. Die IVOM kann eingesetzt werden, um die Schwellung zu reduzieren und die Netzhaut zu stabilisieren.

Weitere Netzhauterkrankungen

In bestimmten Fällen kann eine IVOM auch bei anderen Erkrankungen oder Entzündungen im Augeninneren sinnvoll sein. Welche Behandlung geeignet ist, hängt immer von der genauen Diagnose, dem Befund der Netzhaut und der individuellen Ausgangssituation ab.

Wie funktioniert die IVOM?

IVOM bedeutet intravitreale operative Medikamenteneingabe. Das Medikament wird dabei nicht als Tablette eingenommen, sondern direkt in den Glaskörper des Auges eingebracht. Der Glaskörper ist der gelartige Innenraum des Auges.

Der Vorteil dieser Behandlung: Das Medikament gelangt gezielt dorthin, wo es gebraucht wird – nämlich in das Augeninnere und in die Nähe der Netzhaut.

So kann es direkt auf krankhafte Prozesse wirken, zum Beispiel auf Flüssigkeitseinlagerungen oder krankhafte Gefäßneubildungen.

Bei der IVOM können je nach Erkrankung unterschiedliche Medikamente eingesetzt werden. Häufig handelt es sich um Wirkstoffe, die bestimmte Wachstumsfaktoren hemmen. Diese Wachstumsfaktoren können an krankhaften Gefäßneubildungen und Flüssigkeitseinlagerungen beteiligt sein.

Ablauf der IVOM-Behandlung

Die IVOM ist ein kurzer ambulanter Eingriff. Sie wird unter sterilen Bedingungen durchgeführt.

Der Ablauf lässt sich vereinfacht so beschreiben:

  1. Das Auge wird vorbereitet und desinfiziert.
  2. Die Umgebung des Auges wird steril abgedeckt.
  3. Das Auge wird mit Tropfen örtlich betäubt.
  4. Das Medikament wird mit einer sehr feinen Kanüle in den Glaskörper eingebracht.
  5. Anschließend wird das Auge kontrolliert.
  6. Sie erhalten Hinweise zum Verhalten nach der Behandlung.

Viele Patienten empfinden die Behandlung als weniger belastend, als sie es sich vorher vorgestellt haben. Entscheidend ist eine ruhige, sterile und routinierte Durchführung.

Warum sind häufig mehrere Behandlungen notwendig?

Netzhauterkrankungen wie die feuchte AMD, das diabetische Makulaödem oder ein Makulaödem nach Gefäßverschluss sind häufig chronische Erkrankungen. Eine einzelne IVOM reicht deshalb oft nicht aus.

In vielen Fällen sind mehrere Injektionen in bestimmten Abständen notwendig. Der genaue Behandlungsplan richtet sich nach der Erkrankung, dem Verlauf, der Sehschärfe und den Ergebnissen der Kontrolluntersuchungen.

Zur Kontrolle können unter anderem Sehschärfenprüfung, Netzhautuntersuchung und OCT eingesetzt werden. Das OCT zeigt, ob sich Flüssigkeit in der Netzhaut befindet und wie sich der Befund unter der Behandlung entwickelt.

Ziel der IVOM-Therapie

Das Ziel der IVOM ist es, die Netzhaut zu stabilisieren, Flüssigkeitseinlagerungen zu reduzieren und eine weitere Sehverschlechterung möglichst zu verhindern. Je nach Erkrankung und Ausgangsbefund kann sich das Sehen auch verbessern.

Ergänzend kann eine Angiographie mit dem modernen ZEISS CLARUS 700 durchgeführt werden. Hochauflösende Weitwinkelaufnahmen ermöglichen eine detaillierte Beurteilung großer Bereiche der Netzhaut und unterstützen die präzise Behandlungsplanung und Verlaufskontrolle.

Wichtig ist jedoch: Der Verlauf ist individuell unterschiedlich. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen und eine konsequente Therapie besonders wichtig.

Wann sollte man bei Netzhautbeschwerden zum Augenarzt?

Bitte lassen Sie Veränderungen des Sehens zeitnah augenärztlich abklären, besonders wenn Beschwerden plötzlich auftreten.

Warnzeichen können sein:

  • gerade Linien wirken krumm oder verzerrt
  • ein dunkler Fleck erscheint in der Mitte des Sehens
  • das Lesen wird plötzlich schwieriger
  • Gesichter wirken unscharf
  • ein Auge sieht deutlich schlechter als das andere
  • Farben erscheinen verändert
  • das Sehen verschlechtert sich innerhalb kurzer Zeit

Bei solchen Symptomen sollte die Netzhaut sorgfältig untersucht werden.

Häufige Fragen zur IVOM

Was bedeutet IVOM?

IVOM steht für intravitreale operative Medikamenteneingabe. Dabei wird ein Medikament direkt in den Glaskörper des Auges eingebracht, damit es gezielt im Augeninneren und an der Netzhaut wirken kann.

Bei welchen Erkrankungen wird eine IVOM eingesetzt?

Eine IVOM kann unter anderem bei feuchter altersabhängiger Makuladegeneration, diabetischem Makulaödem und Makulaödem nach Netzhautgefäßverschlüssen eingesetzt werden. Ob die Behandlung geeignet ist, hängt vom individuellen Befund ab.

Tut eine IVOM weh?

Das Auge wird vor der Behandlung mit Tropfen örtlich betäubt. Viele Patienten spüren eher einen leichten Druck oder ein kurzes unangenehmes Gefühl, aber keine starken Schmerzen. Das Empfinden ist individuell unterschiedlich.

Warum muss eine IVOM oft wiederholt werden?

Viele Netzhauterkrankungen verlaufen chronisch. Die Wirkung der Medikamente hält nicht dauerhaft an. Deshalb sind häufig mehrere Behandlungen und regelmäßige Kontrollen notwendig, um die Netzhaut möglichst stabil zu halten.

Was muss ich nach einer IVOM beachten?

Nach der IVOM sollten Sie nicht am Auge reiben und die ärztlichen Hinweise genau beachten. Leichte Reizungen, Fremdkörpergefühl oder eine kleine Blutung an der Einstichstelle können vorkommen. Bei starken Schmerzen, deutlicher Sehverschlechterung oder zunehmender Rötung sollten Sie sofort Kontakt mit der Praxis aufnehmen.

Kurz zusammengefasst

Die IVOM ist eine gezielte Behandlung bestimmter Netzhauterkrankungen. Dabei wird ein Medikament direkt in den Glaskörper des Auges eingebracht, damit es im Augeninneren wirken kann. Eingesetzt wird die IVOM unter anderem bei feuchter AMD, diabetischem Makulaödem und Makulaödemen nach Gefäßverschlüssen. Ziel ist es, die Netzhaut zu stabilisieren, Flüssigkeitseinlagerungen zu reduzieren und eine weitere Sehverschlechterung möglichst zu verhindern.

Welche Behandlung sinnvoll ist, entscheidet das Team des Augenzentrum Holzberg nach genauer Untersuchung der Netzhaut und persönlicher Beratung.

Diese Information dient der allgemeinen Orientierung und ersetzt nicht das persönliche ärztliche Aufklärungsgespräch. Ob eine IVOM für Ihre Erkrankung geeignet ist, kann nur nach einer individuellen Untersuchung entschieden werden.